15. Juni – 3. Juli: Perpignan – Montserrat – Bujaraloz

Mi 15. Juni 22 Anreise ab St. Gallen
Etwas nach 18 Uhr erreiche ich per Bahn Perpignan. Nach einer kleinen Ehrenrunde finde ich die Pilgerherberge. Der Hospitalero, wohl auch der Chef der dortigen Jakobsweg-Vereinigung erklärt mir, dass ich meinen Pilgerführer fortwerfen dürfe. Die Route sei nun anders signalisiert als im Buch beschrieben. Er gibt mir Links auf Wikiloc, worauf der Weg angegeben ist.
Do 16. Juni 22 8. Pilgertag: Perpignan – Trouillas
Ich starte mit dem Ziel Trouillas. Der Weg ist verwirrend oder gar nicht signalisiert. An jeder Kreuzung muss ich auf dem Natel schauen, wie es weiter geht. Irgenwann bemerke ich, dass das APP sich mit einem Signalton meldet, wenn ich ein paar Schritte einen falschen Weg nehmen. Das erleichtert den Gebrauch. In Trouillas ist alles geschlossen, ausser dem Gemeindehaus. Eine nette Dame hilft, eine Busfahrt zurück nach Perpignan zu finden. Etwa 2,5 Std. warte ich in der Hitze auf einen Bus. Müde komme ich in Perpignan an. Nach einem Bier und einem Rosé noch etwas müder…Nach dem Besuch der Kathedrale St. Jean gibt es das Nachtessen worauf ich dann überraschend gut schlafe.
Fr 17. Juni 22 9. Pilgertag: Trouillas – Le Boulou
Früh ging ich zum Bahnhof. Ein Bus fuhr erst um 07.45 Uhr nach Trouillas. Dort ist die Bäckerei offen. Ich mache mich auf den Weg nach Le Boulou. Das Wikiloc funktioniert. Ich finde es trotzdem lästig, den Weg via Internet zu suchen. Einmal stehe ich im Wald ohne Weg. Auf Umwegen geht es weiter. Es ist heiss, ca. 38 Grad. Niemand ist draussen ausser Bauern.
Ankunft in Le Boulou. Die ersten Eindrücke gefallen mir. Das Hotel Le Centre hat Mittagspause. So gehe ich ins nächste und freue mich auf die Dusche. Als Zmittag geniesse ich eine Dame Blanche. Das Brot ist noch nicht angebraucht. Die Kirche und Kapelle sind offen.
Sa 18. Juni 22 10. Pilgertag: Le Boulou (Frankreich) – La Jonquera (Spanien), 19 km

Versuch eines Meditationstextes „wie die Schwalben am Himmel“
„Es gibt Momente, wo alles sich fügt. Wie Schwalben die Räume durchfliegen; frei und ohne Ablenkung können wir uns öffnen dem, was immer da ist. Der Liebe über alle Grenzen hinweg, da kein ja-aber kommt, sondern sich freut am Sein und der Verbundenheit. Doch sind diesen Gefühlen Grenzen der Dualität gesetzt, die schmerzen. Grenzen, die die Seelen überwinden ohne Probleme wie die Schwalben am Himmel. Davon sich nähren lassen und weiter daran glauben und bauen, dass die Liebe und Verbundenheit grösser ist als alle Mauern und Grenzen.“
Der Weg ab Le Boulou nach La Jonquera ist kompliziert. Er führt über den Pass Col de Panissars, wo schon die Römer darüber karrten, von Frankreich nach Spanien. Heute ist dort die Auto- und Eisenbahn zu finden. In La Jonquera fügt sich ein Lastwagenpark an den anderen. Genügend Möglichkeiten der Übernachtung.
So 19. Juni 22 11. Pilgertag: La Jonquera – Figueres, 28 km
An der immensen Menge von Lastwagen vorbei führt der Weg weiter. Der Weg ist signalisiert, meistens.
Die Gnade der Umkehr: Bin etwa 1,5 km verlaufen bis zur TGV-Linie. Dann zurück und es kamen schöne Wege. Umkehr als Aufgeben seines eigenen Willens, seines Kopfes. Die Markierung war versteckt an einer Hausecke im Dorf. Es gibt viele Korkeichen. Sie geben guten Schatten. In Pont de Molíns mache ich eine längere Pause. Es hat dort keine Unterkunft, dafür einen guten Salatteller. Der Weg bis Figueres ist lang. Auf einem Hügel wird ein Kloster restauriert. Herrlicher Wind. In Figueres herrscht Stadtbetrieb. Ich buche das Hotel Duran für zwei Nächte. Zuerst aber trinke ich 2 Liter Wasser am Stück.
Mo 20. Juni 22 Ruhetag in Figueres
Figueres ist gross. Hier ist Salvador Dalí 1904 geboren und 1989 verstorben. (ganzer Name: Salvador Felipe Jacinto Dalí i Domènech) Leider sind alle Museen geschlossen – Montag. Ich kaufe eine Sonnenbrille im besonderen Abteil ohne Maske. Ich geniesse das schöne aber fensterlose Zimmer. Freue mich auf das Nachtessen für 25 Euros. Die Vorspeise ist wunderbar wie in Japan mit Fisch. Bin fast gut eingeschlafen.
Di 21. Juni 22 12. Pilgertag: Figueres – Bàscara, ca. 16 km
Der Wecker läutet um 5 Uhr. Ich kann nicht gleich aufstehen. Dann habe ich schnell gepackt und weiss den Weg. Ich habe das Gefühl für einen schönen Pilgertag. Viele Wegzeichen und gute Signalisation bis Pontos. Dort gibt es sogar einen Kaffee und einen Markt. Beim Weitergehen durch einen Wald fragt Elisabeth per Whatsapp, ob ich auf dem richtigen Weg sei? – Ich nehme Google hervor und siehe da, ich gehe in falscher Richtung. Ein Umweg von mehr als einer Stunde schlägt mir aufs Gemüt. Ein Zehen schmerzt. Dafür bekomme ich einen Mail für ein Zimmer vom Ort wo ich sowieso schon bin. Es ist die Bar Pensión Fluvia in Bàscara. Eingangs des Dorfs sitzt eine Frau auf einer Decke, leicht bekleidet. Sie steht auf als ein älterer Herr vorfährt. Sie steigt ein und nimmt die Handtasche mit. Die Decke bleibt. Ist das eine Prostituierte? Könnte sein. Es gibt mir zu denken.
Mi 22. Juni 22 Reisetag: Bàscara – Girona, ca. 30 km
Die Pension La Fluvia war nett. Im Dorf sind ganze Schwärme von Schwalben am Fliegen. Ich nehme den Bus nach Girona – er würde auch nach Manresa und Barçelona fahren. Die schmerzende Zehe irritiert mich. Girona ist eine schöne und interessante Stadt. Ich schaue die Kirchen an. Es muss Eintritt bezahlt werden. In der Kathedrale fällt mir die Skulptur auf, die ein sich liebendes Paar darstellt: Jakob und Rahel, Gen 2.
Gegen Abend habe ich das Gefühl, ganz vom Pilgern weg zu sein. Ich werweise, ob ich nach Vic oder nach Manrese reisen soll. Ich entscheide am Donnerstagmorgen für Manresa. Kauf einer neuen Pilgertasche.
Do 23. Juni 22 Reisetag: Girona – Manresa, ca. 140 km – Montserrat
Ich fahre von Girona nach Manresa. In Manresa besuche ich das Tourismusbüro. Ich werde sehr herzlich empfangen mit einem Glas Wasser. Sie versuchen, mir eine Unterkunft zu vermitteln. Es ist alles belegt. Nach dem Genuss einer Paëlla fahre ich nach Montserrat hinauf, da dort eine Pilgerherberge frei sei. Ich habe eine grosse Freude in mir, als ich diesen speziellen Ort sehe. Dann folgt etwas Frust und Wut, weil der Hospitalero mich nur eine einzelne Nacht unterbringen möchte. Ich renne den Berg hoch. Oben ist es wunderbar! Nachtessen mit Buffet. Es sind 2 irische Pilger dabei. Ein Theo mit Römerkragen aus der Schweiz ist ebenfalls dort. In Google finde ich ihn: Theo Füglisthaler, ein Schweizer Priester.
Ab 22 Uhr wird der heilige Johannes, San Juan, gefeiert. Eine Stimmung ähnlich dem 1. August in der Schweiz. Katalonien wird beschworen. Die farbig verzierten Gebäcke in Schaufenstern von Girona haben schon darauf hingewiesen. Die katalanische Fahne wird zu Musik in einem Umzug herbei getragen. Dann folgen Sardane-Tänze auf dem Platz mit allen, die mitmachen möchten. Feuer brennen. Sehr eindrücklich.
In der Kirche wird eine religiöse Feier abgehalten. Am Schluss drängen sich die Leute nach vorne. Hinter dem Hochaltar der Klosterkirche, nach dem Durchschreiten von einigen geheimnisvollen Korridoren, wird nochmals eine Feier abgehalten mit der Hymne an Marie Moreneta. Man kann die Madonna an der Hand berühren. Sehr ähnlich wie in Santiago mit der Büste des Jakobus. Wie ich später nachlese, ist die schwarze Madonna von Montserrat die Schutzheilige Kataloniens.
Ich kann erst gegen 02 Uhr einschlafen.
Fr 24. Juni 22 13. halber Pilgertag: Montserrat – Manresa
Der Abstieg von Montserrat hinunter ist brutal. Ich habe wohl den falschen Weg gewählt. Es ist ein felsiger, richtiger Bergweg. Mit vollem Rucksack nicht einfach zu gehen. Ich freue mich auf die Ignatiusorte in Manresa. Ignatius von Loyola hatte in Manrese soetwas wie ein Erleuchtungserlebnis. Ich finde ein schönes Hostal mit einer jungen, dynamischen Frau als Chefin.
Viele Männer aus arabischen Ländern mit langen Mänteln schlendern durch den Ort. Es ist eine alte Stadt.
Das Gebäude, das die Höhle umgibt, in der Ignatius sein Erlebnis hatte, das sein Leben total beeinflusste, ist leider geschlossen. Der Fluss ist da, an dem die weise Frau gesessen hatte, als Ignatius dorthin kam. Das Erlebnis wird in der Biographie „Der Pilger“ von Ignatius geschildert.
Sa 25. Juni 22 14. Pilgertag: Manresa – Montserrat, ca. 23 km
Der Weg hinauf ist fast immer signalisiert. Es ist ziemlich anstrengend bis nach oben. Ich freue mich, diesen imposanten Ort nun noch zu Fuss zu erreichen. Ignatius hatte in diesem Kloster alle seine Ritterkleider und die Waffen abgelegt. Von da weg war er als armer Mönch gekleidet unterwegs.
Die Umgebung des Kloster mit den Felswänden und Felsformationen ist total imposant und fast überwältigend schön.
Später erfahre ich, dass der Architekt und Künstler Gaudí sich von solchen Felsformationen inspirieren liess. Er baute Häuser und Villen, die genau solchen Formationen nachgebildet sind. Ebenfalls die riesige Kirche „Sagrada Familia“ in Barçelona ist solchen Felspfeilern nachempfunden.
Nochmals ein Gruss an die schwarze Madonna. Dunkles Hotelzimmer. Die Zehe mit Pflaster plagt mich weiter.


