Jakobus an der Fassade der Kathedrale von Santiago am Obradoiro-Platz

Kathedrale von Santiago

nahe dem Apostel Jakobus
Büste des hl. Jakobus

In der Kathedrale von Santiago liegt traditionell das Ziel einer Pilgerreise auf dem Jakobsweg am Grab des Apostels Jakobus. Im Chorraum ist in der kleinen Krypta ein Sarkophag aufgestellt, worin die sterblichen Reste des Apostels Jakobus des Älteren vermutet werden. Die Krypta lädt zu einem stillen Moment und Gebet ein.
Darüber führt eine schmale Treppe hinauf zu einer Büste von Jakobus. Seine Blick ist zum Kirchenschiff hingerichtet. Seit alters lädt dieser Ort zum ‚Abrazo del Apostol‘ ein, der Umarmung des Apostels. Diese Geste kann sehr bewegend sein oder eine grosse Ruhe vermitteln.

Im Heiligen Jahr 2021 ist wiederum die hl. Pforte geöffnet. Sie kann über den Quintana-Platz betreten werden. Von dort führt der Weg zum oben beschriebenen Weg.
Wer sich schwertut, diese Rituale zu verstehen findet vielleicht eine Verständnishilfe aus dem alltäglichen Leben.
Wenn wir einen lieben Menschen verlieren, dann verspüren viele von uns das Bedürfnis, öfter oder hie und da sein Grab aufzusuchen. Dieses äusserliche Hingehen ermöglicht ein inneres sich Nahe-Fühlen.
Beim Apostel Jakobus kommt hinzu, dass er zum engeren Kreis um Jesus gehörte. Somit ist das sich Nahe-Fühlen am Apostel auch ein sich Nahe-Fühlen an Jesus.
Ein Tipp zum ruhigen Erleben ist, sich morgens knapp nach Öffnung der Kathedrale oder abends kurz vor Schliessung in diese zu begeben.

Pilgergottesdienst

Die Pilgergottesdienste finden täglich um 12 Uhr statt. Zu Beginn wird verkündet, aus welchen Ländern Pilgerinnen und Pilger angekommen sind. Im Sommer lohnt es sich, die Kathedrale etwa eine halbe Stunde vorher zu betreten. In der Pilgersaison findet ein zweiter Pilgergottesdienst um 19:30 Uhr statt. Während der Renovation der Kathedrale finden die Gottesdienste in verschiedenen Kirchen der Stadt statt. Diese Webseite informiert über die Zeiten und Orte.

Ab Ostern 2020 soll der Pilgergottesdienst von 12 Uhr wieder in der Kathedrale stattfinden.

Botafumeiro
Botafumeiro vor Gebrauch

Das riesige Rauchfass, der Botafumeiro, wird nicht täglich geschwungen. An Festtagen gehört es zum Gottesdienst. An den hohen Festtagen wie Pfingsten oder Weihnachten wird der Botafumeiro schon zu Beginn des Gottesdienstes entzündet. Sonst ist dies ein Ritual vor dem Schluss-Segen. Gruppen oder Einzelne können beim Pilgerbüro das Schwingen des Botafumeiros buchen. Die andern kommen dann auch in den Genuss.
Der Weihrauch ist ein rituelles Gebet. Wie die Rauchschwaden sich emporheben und im Raum verteilen, so soll sich das Gebet zu Gott ‚erheben‘ und für die Welt da sein.

Pilgerbüro – internationaler Empfang der Pilgerinnen und Pilger

Die Compostela
die Compostela ist lateinisch geschrieben – der Vorname wird im Akkusativ auf lateinisch eingefügt

Die meisten Pilgerinnen und Pilger suchen das Pilgerbüro an der Rua Carretas 33 auf, um sich die Compostela-Urkunde ausstellen zu lassen. Öffnungszeiten.
Damit diese ausgehändigt wird, muss der Pilgerpass vorgelegt werden. Es wird kontrolliert, ob die letzten 100 Kilometer zu Fuss oder 200 Kilometer per Fahrrad oder Pferd gepilgert wurden. Die ganzen Strecken davor werden nicht kontrolliert.
Für die letzten 100 Kilometer respektive 200 Kilometer müssen zwei Stempeleinträge mit Datum pro Tag vorgewiesen werden.
Um eine geordnete Abwicklung zu ermöglichen, muss beim Eingang zum Pilgerbüro ein Ticket gezogen werden. Die daraufstehende Nummer leuchtet über der Türe zum eigentlichen Büro auf zusammen mit der Schalternummer. Es gibt 17 Schalter.
Die Freiwilligen und Angestellten des Pilgerbüros nehmen den Pilgerpass entgegen und schauen sich die Daten der letzten Stempel an. Dann händigen sie ein Formular aus, auf dem in einer Zeile der Name, das Geschlecht, das Alter, die Nationalität, die Herkunftsstadt, der Beruf, die Art der Pilgerschaft und der Startpunkt der Pilgerreise eingetragen werden müssen. Bei der Motivation zur Pilgerreise gibt es drei Kategorien: Religiosus (religiös), Espiriutales (spirituell), Turisticos o deportivos (touristisch oder sportlich). Es können mehrere Motivationen angekreuzt werden. Der Begriff ’spirituell‘ ist weit gefasst. Wenn jemand über den Sinn des Lebens nachdachte, ist das auch spirituell. Die Angaben werden anonymisiert (ohne Namen) zu statistischen Zwecken in den PC getippt.
Die Compostela wird ausgegeben, wenn entweder die Motivation ‚religiosos‘ oder/und Espirituales angekreuzt ist. Sind diese beiden Felder offen, wird eine andere Art von Dokument ausgegeben, die zwar fast wie die Compostela aussieht, aber nicht ganz den gleichen Inhalt hat.
Wer den Weg für eine verstorbene Person gepilgert ist, kann sich deren Namen auf die Compostela notieren lassen.

Distanzbestätigung – Certificado de Distancia

Alle können für 3 Euros eine Distanzbestätigung erbitten. Darauf wird der Name, das Ankunftsdatum, das Startdatum, der Startort und der Name des Weges notiert. Für die Schweiz, Österreich und andere Länder ausserhalb Spaniens werden nur gewisse Orte oder das Land genannt. Für die Schweiz z.B. als Startort Konstanz oder Genf.

Kartonrolle zum Transport

Für 2 Euros ist eine Kartonrolle, un tubo, erhältlich, die zum sicheren Transport der Urkunde dient.

Deponie des Rucksackes

Aus Sicherheitsgründen ist es verboten, die Kathedrale mit dem Rucksack zu betreten. Beim Sicherheitsdienst am Eingang des Pilgerbüros kann der Rucksack gegen eine Gebühr von 2 Euros abgegeben werden. Es muss dazu nicht Schlange gestanden werden.

Auskünfte, touristische Infos

Im Haus des Pilgerempfangs ist eine Tourismusinformation untergebracht. Dort können Fahrpläne, Unterkünfte, Weginformationen und anderes eingeholt werden.

Pilgerseelsorge

Auf der ersten Etage des Empfangszentrums haben verschiedene Sprachgruppen einen Raum bekommen, wo sie die Pilgerinnen und Pilger empfangen können. Die deutschsprachige Pilgerseelsorge wird vom 15. Mai bis 31. Oktober angeboten. Die Details dazu sind hier zu lesen.

Verpflegung im Los Reyes Catolicos

Im Parador Los Reyes Catolicos wird eine sehr alte Tradition gepflegt. Jeden Mittag erhalten 10 Pilgerinnen und Pilger gratis ein Mittagessen. Früher musste man genügend früh vor dem Restaurant anstehen. Neu wird im Pilgerbüro morgens den ersten zehn Pilgerinnen und Pilgern ein Bon abgegeben, sofern sie sich einrichten können, um 13 Uhr im Restaurant vom Parador zu erscheinen. Diese Geste der Gastfreundschaft ist ein schönes Zeichen am Pilgerweg.

Kathedrale von Sanitago de Compostela vom Alameda-Park aus gesehen
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