Gruppenpilgerreise 13. – 26. Juli 2026 – die Pilgerin Barbara berichtet
Einmal noch organisieren Josef und Elisabeth eine Fusspilgerreise von Santiago de Compostela über Muxía nach Fisterra, ans «Ende der Welt». Man mag darin durchaus eine gewisse Symbolik erkennen.

Anreise per Bahn und Start in Santiago
Am 13. Juli reisen wir als Gruppe von 15 Personen im Zug über Genf und Lyon nach Perpignan, wo wir übernachten. Am nächsten Morgen soll es via Madrid nach Santiago weitergehen. Allein die Anreise nach Galicien ist abenteuerlich und dauert mindestens zwei Tage! Leider hat unser Zug Verspätung, und in Madrid verpassen wir, obwohl wir uns beeilen, den Anschluss nach Santiago. Alle Versuche, gleichentags noch eine Verbindung zu bekommen, scheitern, und wir müssen die geplante Übernachtung im ehemaligen Kloster San Martín Pinario in Santiago aufgeben. Mit Glück findet Josef in einem Hotel gleich neben dem Bahnhof für die ganze Gruppe eine Übernachtungsmöglichkeit.
Anderntags erreichen wir Santiago fast fahrplanmässig. Wir begeben uns als erstes ins Café und dann zum Einkaufen fürs Picknick. Jetzt beginnt die eigentliche Pilgerwanderung. Doch vorher gibt es noch das Startritual am Rande der Praza do Obradoiro. Das Motto der Reise lautet «Zeit und Ewigkeit», und als Zeichen dafür hat Josef eine kleine Sanduhr mitgebracht. Wir bilden einen Kreis, die Sanduhr in der Mitte, und führen uns in einer kurzen Betrachtung die lange Anreise im Geist noch einmal vor Augen. Dann geht es endlich zu Fuss auf den Weg. Der führt uns durch duftende Eukalyptuswälder nach Amés, unserem ersten Etappenort auf der Wanderung.
Auf so einer Pilgerreise folgt der Ablauf nach dem Ankommen in der Herberge stets einem bestimmten Muster: Ankommen, Pilgerpass stempeln, Zimmer beziehen, Duschen, etwas trinken, Wäsche waschen, Nachtessen, schlafen gehen. Was das Wäsche waschen betrifft, so erweist sich das Reisen in der Gruppe als einer der vielen Vorteile: Wir können gemeinsam eine Waschmaschine füllen und die Handwäsche bleibt uns erspart. Und das abendliche Verteilen der Wäsche gerät zum vergnüglichen Spektakel.
Es kann vorkommen, dass das Gehen mit einem vollbepackten Rucksack die Kräfte übersteigt und zu beschwerlich wird. Das gab es auch bei uns. In solchen Fällen bietet sich Abhilfe in Form eines Gepäck-Transportdienstes. Es mögen sich daran zwar die Geister scheiden: Eingefleischte hartgesottene Pilger finden solche Dienstleistungen nicht angemessen. Ihnen sei aber entgegengehalten: Es ist doch immerhin besser, mit leichtem Tagesrucksack zu laufen als gar nicht zu pilgern! In unserer Gruppe jedenfalls bewältigen schliesslich alle die ganze Strecke bis zum Ziel zu Fuss. Niemand muss aufgeben.

im grünen Garten Galicien
Galicien ist ein üppiger grüner Garten, durchzogen von Bächen und Flüssen. Es ist auch gar nicht heiss. Selbst in diesem besonders trockenen und sehr warmen Sommer herrschen angenehme Temperaturen. Eher ist hier ab und zu mit Regen zu rechnen, aber auch davon bleiben wir verschont. Während der ganzen Strecke geniessen wir optimales Wanderwetter.
Unterwegs nach Negreira passieren wir den Rio Tambre, wo wir den Ponte Maceira überqueren, ein markanter Wegpunkt. Zwei Tage später gelangen wir nach O Logoso, einem kleinen Örtchen, wo es aber als Überraschung ein Badeteichlein gibt. Es liegt versteckt in einem kleinen Tälchen, aber es zu suchen lohnt sich, denn das Baden im klaren kühlen Wasser ist ein wahrhafter Genuss. In O Logoso gibt es noch eine weitere Besonderheit, nämlich die «Reitenden Steine», bizarre Formationen von Felsblöcken, die scheinbar frei auf einer minimalen Fläche auf dem darunter liegenden Stein ruhen.




Fotos: B. Löffel
Am nächsten Tag erreichen wir nach kurzer Zeit die Bifurcación, den Punkt, wo sich die Wege scheiden. Während der eine direkt nach Fisterra führt, geht der andere nach Muxía. Diesen wählen wir.
Galicien erfreut auch Hobby-Ornithologen: Wer die Ohren spitzt, kann unterwegs die Stimmen vieler Singvogelarten und sogar den Ruf der Wachtel hören. In Muxía allerdings herrschen die Möwen vor. Mit ihrem anhaltenden Geschrei erfüllen sie das Städtchen und hinterlassen überall auch sichtbar ihre Spuren.
Die Möwen sind auch gar nicht scheu. Eine nähert sich sehr interessiert unserem Picknickplatz in der Nähe der Wallfahrtskirche Nuestra Señora de la Barca auf einer Landzunge nördlich von Muxía. Die Wallfahrtskirche ist vor einigen Jahren nach einem Blitzeinschlag ausgebrannt – ausgerechnet am Weihnachtstag. Sie wurde aber wieder aufgebaut.
von Muxía nach Finisterre mit Strand

Santuario de la Virgen de A Barca. Foto: JS
Von Muxía führt der Weg nach Süden. Ein Höhepunkt dieser Strecke ist der Abschnitt zwischen Lires und Fisterra, wo sich die Praia do Rostro mit ihrem schönen Sandstrand befindet. Hier geniessen wir die beruhigende Stimmung, in die uns die Wellen mit ihrem monotonen gleichmässigen Rhythmus versetzen, entdecken Spuren von allerlei Kleintieren im Sand und genügsame Blütenpflanzen. Gerne möchte man hier länger verweilen, aber wir müssen weiter, nach Fisterra.
Umkehr am Ende der Welt nach Santiago
Dort angekommen, beziehen wir als erstes die Unterkunft, bevor wir uns zum Kap mit dem berühmten Leuchtturm aufmachen. Der Jakobsweg endet hier, denn am «Ende der Welt» führt der Weg wirklich nicht mehr weiter. Hier, auf den Felsen mit dem freien Ausblick auf den Atlantik, findet dann das Umkehr-Ritual statt. Beim Anblick der Sanduhr besinnen wir uns noch einmal auf das Motto unserer Reise und blicken zurück auf die vergangenen Tage.
Nach einem angenehmen Aufenthalt mit Baden im Meer und romantischem Sonnenuntergang kehren wir am nächsten Morgen per Kleinbus nach Santiago zurück. Dort kommen wir beim Nachtessen doch noch in den Genuss eines Besuches im San Martín Pinario. Einen Tag haben wir zur freien Verfügung. Man kann die Kathedrale oder Museen besuchen, an einem spirituellen Rundgang teilnehmen oder einfach herumbummeln. Zudem bekommen wir Gelegenheit, an einem ansprechend gestalteten deutschsprachigen Gottesdienst (der deutschsprachigen Pilgerseelsorge) teilzunehmen. Es ist der Vortag des Jakobustages. In der Stadt herrscht eine heiter-festliche Stimmung. Religiöse Bruderschaften sind unterwegs, aber auch folkloristische Gruppierungen in Kostümen ziehen mit traditionellen Musikinstrumenten durch die Altstadt. Am Abend können wir aus dem Speisesaal unseres Hostels das Feuerwerk bewundern und auf der Praza do Obradoiro wird eine beeindruckende Licht-Show gezeigt.

Blick auf die Plaza Obradoiro am 24. Juli. Foto: JS
Schliesslich geht es am Morgen des Jakobustages auf die Heimreise, diesmal mit Übernachtung in Nîmes. Doch wieder müssen wir mit Verspätungen zurechtkommen und wieder verpassen wir einen Anschluss. Dennoch erreichen wir am Sonntagabend, den 26. Juli noch beim Sonnenschein des Tages die Schweiz. Nun heisst es Abschied nehmen! Während der Heimfahrt wird unsere Gruppe immer kleiner. Lebt alle wohl, und hoffentlich gibt es ein Wiedersehen!
Barbara Löffel

Rückreise, zum Bahnhof von Santiago de Compostela am 25.07.26. Foto: JS


