40 Tage auf dem Jakobsweg

Impressionen meiner Pilgerreise
 von Lourdes nach Santiago und Finisterre
19. Juni bis 29. Juli 2006

 

Teil 3
Pilgerweg durch die Meseta von Burgos bis Leon

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06.07.: Burgos - Hornillos del Camino 10.07.: Terradillos de los Templarios - Calzadilla de los Hermanillos
07.07.: Hornillos del Camino - Itero de la Vega 11.07.: Calzadilla de los Hermanillos -Mansilla de las Mulas
08.07.: Itero de la Vega - Carrión de los Condes 12.07.: Mansilla de las Mulas - León
09.07.: Carrión de los Condes - Terradillos de los Templarios    
   
Teil 1 Anreise nach Lannemezan. Pilgerweg über Lourdes bis Oloron-Sainte-Marie
Teil 2 Pilgerweg von Oloron-Sainte-Marie über den Col du Somport bis Puente la Reina
Teil 4 Pilgerweg von Leon über den Rabanal und Cebreiro-Pass nach Santiago de Compostela
Teil 5 Pilgerweg von Santiago de Compostela nach Finisterre
   

 

Donnerstag 06.Juli:
Burgos - Hornillos del Camino (20 km)

 
Ab Burgos durchquert der Pilgerweg die berühmte Hochebene 'Meseta'. Sie erstreckt sich über die Stadt Leon hinaus bis Astorga. Auf diese Strecke freute ich mich schon lange.

 

Die imposante Kathedrale von Burgos. Fotographisch ist
die Dimension dieses Bauwerkes nur annähernd
einzufangen.

 

Infos zum Weg in 'Castilla y León'
La Divina Pastora
La Divina Pastora - wörtlich übersetzt: die göttliche Hirtin -
ein Titel für Maria. In der Kapelle Santa Calalina y Santiago im Zentrum von Burgos (angeschlossen eine Herberge).

 

zwei Kollegen treffen sich in Burgos zum wiederholten Mal... (Selbstportrait)
Wie überall in Spanien herrscht rege Bautätigkeit auch
im Umkreis von Burgos.

 

Flecha - der gelbe Pfeil, der am ganzen Weg nicht mehr
wegzudenken ist.
Autobahnstall Fussrast
Herde und neue Technik im Einklang Rast für die Füsse, die enorm viel leisten,
oft ohne dass wir es bemerken

 

Rabé de las Calzadas - menschenleer - wo da wohl die Pilgermassen sind...? eine Variante der Wegmarkierung

 

Distel Radpilger
Distel am Weg

 

Radpilger
Weite Hornillos del Camino
Blick in die Weite

 

Hauptstrasse durch Hornillos del Camino
menschenleer am Nachmittag
Wappen in Hornillos Getreidehaufen
Wappen an einer Hausfassade in Hornillos mit Jakobsmuscheln

 

Getreidehaufen im Freien im Abendlicht
Abendstille ABEND

rundherum nur Kornfelder
zu hören nur der Wind
der die Halme bewegt und
die Ähren singen lässt


ein paar Vögel tummeln sich
in der Weite Windmühlen
Stille, Abgeschiedenheit
nicht weit von Burgos
einer lebendigen Stadt


die Pilger im Tal warten auf die Nacht
erzählen von Erlebnissen und Wünschen
über allem der weite Himmel
Wind und Sonne

 

(getextet am links abgebildeten Ort
bei meinem Abendspaziergang
hinaus auf die Höhen der Felder)

Abendstimmung über Hornillos del Camino

 

 
 

 

Aus dem Tagebuch vom Donnerstag 06. Juli 06 (06.07.06)
Der zweite Teil der Pilgerreise beginnt

Ich freue mich sehr auf die Durchquerung der Meseta. Nach dem Weg über den Somport, den ich ganz neu kennen lernte, ist mir die Meseta teilweise vertraut. Aber ich hatte noch nie die Gelegenheit, sie zu Fuss zu durchqueren.

Ein ermutigender Traum: ich bewege mich auf dem Bauch oder irgendwie eine Strasse hinunter. Eine Ente macht mir Mut, es auf den Füssen zu versuchen. Und siehe: ich gleite den Hang hinunter auf festen Füssen wie auf Schienen.

Mir kommt bei diesem Traum das Bild der 'ganzen Ente' in den Sinn, das Jorgos Canacakis benutzt, um von Menschen zu sprechen, die sich weiter entwickelt haben. (Buch) Das Bild macht mir Mut und Freude.

So mache ich mich auf. Am Rande der Stadt wird gebaut wie verrückt - wie es in den letzten Jahren in ganz Spanien zu beobachten ist. Ich gelange zum ersten Dorf Tardajos. Mit ihm verbinde ich sehr viele Erinnerungen. Bei meiner ersten Gruppen-Pilgerreise 1989 übernachtete ich hier mit der 30-köpfigen Gruppe ohne Voranmeldung in einem alten leerstehenden Schulzimmer auf dem Boden.

Im Café sitzen zwei Amerikanerinnen. Hier hatte ich 1998 eine Amerikanerin angetroffen, die mit gebrochenem Arm und zwei kleinen Kindern unterwegs war - und nebenbei hatte sie erzählt, dass sie auch ein künstliches Knie habe...

Nun fängt also die Meseta an, eine riesige Hochebene. Eine Ebene wie es für mich als Schweizer, der sich ständig irgendwelchen Hügeln und Bergen gegenüber sieht, total faszinierend und kräftig ist.

Bald einmal engt mir der Hutrand den Blick zu fest ein. Ich klappe den Rand vorne hoch und habe den ganzen Blick in die Weite und in die Höhe frei. Und: so sieht der Hut plötzlich aus, wie ihn jeweils der Apostel Jakobus trägt. Also ist diese Art von Hut nicht nur eine bestimmte 'Mode', sondern hat seine ganz praktische Seite. Zudem stelle ich später noch etwas Praktisches fest: mit hochgekrempeltem Rand bleibt der Hut auch bei stärkstem Wind auf dem Kopf. Alles hat also seine Gründe...

Weite, Weite. Wieder singe ich einen Refrain vor mich hin, der mich schon länger begleitet und an dem ich weiter dichten möchte: "weit, weit, weit, ziehe ich durchs Land..." nach der Melodie eines älteren Popsongs, dessen Titel ich nur dem Hören nach kenne: "white, white, white ...." oder so ähnlich. Ich finde leider diesen Titel nirgends mehr.

In Hornillos komme ich in gemütlicher Stimmung an. In der Herberge ist ganz zuhinterst oben ein Bett frei. Ich nehme es dankbar - andernfalls hätte ich noch einen Abendspaziergang eingeschaltet.

Viele Pilgerinnen und Pilger machen hier Rast. Das ganze Dorf scheint wie ausgestorben. Hie und da fährt ein Bauer mit dem Traktor durch die eine Hauptgasse. Im Refugio schlafen schon viele mitten am Nachmittag. Das will ich doch lieber nicht und bleibe im Freien. Auch auf eine Dusche verzichte ich heute.

Es zieht mich in der Abendstimmung noch in die Felder hinaus. Ich spaziere wohl eine gute Stunde einen Hügel hinauf. Dort singen Lerchen und ein mir unbekannter Vogel, den ich auch nicht zu Gesicht bekomme. Dort dichte ich Worte zur Stimmung (oben).

 

 

 

 

Freitag 07.Juli:
Hornillos del Camino - Itero de la Vega (32 km)

 

Auf dieser Strecke liegt der Ort Castrojeriz, den ich seit meiner ersten Gruppenpilgerreise 1989 kenne. Danach folgt eine wunderbare Strecke durch die goldenen Felder der Meseta.

 

Mohn
Morgenstimmung - Mohn im Morgenlicht

 

Kornfeld
einfach nur schön

 

 

 

Pool
Versuchung am Weg

 

ehemaliges Antoniuskloster
Tau
Schutzzeichen Tau, das die Mönche des Antoniter-Ordens den
Pilgern mitgaben als 'Cruz del Peregrino'

 

Die Ruinen lassen immer noch die Kraft
dieser Anlage erspüren.
Castrojeriz Tau-Kreuz
Castrojeriz

 

schöne Gasse in Castrojeriz
Alto de Mostelares
Blick von Castrojeriz Richtung Alto de Mostelares

 

Castrojeriz
Blick zurück nach Castrojeriz

 

Meseta
 

 

Kraftprobe San Nicolas
Da gibts nur eins, ab in den Graben... Herberge in der Kapelle San Nicolás
eine Art 'offene Kirche'

 

San Nicolás Jakobus in Itero de la Vega
Blick zurück zur Kapelle San Nicolás

 

Jakobusfigur in Itero de la Vega
 
Gratis-Unterhaltung mit jungen Kätzchen im Innenhof der Herberge

 

 

 

Aus dem Tagebuch vom Freitag 07. Juli 06
alte Erinnerungen

Ich schlafe schlecht ein. Per SMS erfahre ich, dass Markus Büchel zum Bischof gewählt worden ist. Für ihn ist das sicher schwierig, für uns ist es gut. Erstmals wird sozusagen ein Kollege Bischof. Ein spezielles Gefühl.

In der Nacht muss ich öfters vom hohen Bett herunter steigen, um aufs WC zu gehen. Morgens um 5 Uhr ist Aufbruchstimmung im Zimmer - das Licht wird aber nicht angemacht, obwohl ich bald der einzig Liegende bin. Um 6 Uhr reicht es mir und ich gehe unter die Dusche. Bereits ist es wieder ruhig im Haus.

Ich erlebe einen schönen Sonnenaufgang über den Feldern. San Bol mit Saunaangebot lässt mich phantasieren. Hontanas ist für mich neu und überraschend - eine richtige Metropole.

Der Ort Castrojeriz ist wie eh und je eigenartig. Ein südamerikanischer Pilger möchte sich ankletten. Eine Weile ist mir das gleich. Wir machen eine Foto voneinander. Dann aber verabschiede ich mich. Ich mag keine Kontakte, wo ich etwas aufgeben muss. Ich möchte weiter alleine reisen und pilgern.

Erinnerungen an meine erste Gruppenpilgerreise kommen bei der Anhöhe 'Alto de Mostelares'. Es ist herrlich frisch. Erinnerungen an meine damals kleinen Töchter, die ich ganz alleine gehen liess, statt mich um sie zu kümmern. Im Nachhinein gesehen geschah dies oft. Das tat ihnen wohl kaum sehr wohl. Immer wieder waren die Leute aus der 'Arbeit' wichtiger als sie. Beide Töchter erzählen noch heute von diesem Abschnitt mit Schrecken. Denn sie waren so weit von der Gruppe entfernt und es war so heiss, dass sie Angst bekamen. Ich hatte bei Tagesbeginn noch vom Verdursten der mittelalterlichen Pilger in dieser Region vorgelesen. Dies nahmen sie in ihrem Alter wortwörtlich als Gefahr auch für heute...

Am Weg liegt die Kapelle San Nicolas. Sie wurde zu einer Pilgerherberge umfunktioniert. Sie ist nun sozusagen eine offene Kirche. Das wäre auch eine Lösung gewesen für die offene Kirche St.Leonhard in St.Gallen, statt sie an einen reichen Architekten zu verscherbeln.

In Itero de la Vega gibt es zwei Pilgerherbergen. Ich wähle die zweite und höre danach, dass die erste sehr schön gewesen wäre. Das Zimmer dort kostet 7 Euros, ich zahle 5 Euros. Wieder sind Pilgerinnen und Pilger am Schlafen, als ich ankomme.

 

 

 

Samstag 08.Juli:
Itero de la Vega - Carrión de los Condes (34 km)

 

In Boadillo del Camino treffe ich auch ein Pilgerpaar, das eine mir neue Idee umsetzt: sie pilgern etappenweise von Santiago nach Hause in Dortmund. Überhaupt treffe ich immer wieder einzelne Leute, die den ganzen Weg nach Hause zurück pilgern.

 

Morgenstimmung
Morgenstimmung

 

Kanal Bewässerungskanal
einer der vielen Wasserkanäle für die Felder

 

 
Herde
Herde mit Hirte und Begleitesel

 

Säule Herberge
Gerichtssäule, wo früher Gericht gehalten wurde,
in Boadillo del Camino

 

schmucke Herberge in Boadillo del Camino
Fromista
Kirche San Martin in Fromista

 

 
Ermita de San Miguel
Distanztafel nur noch 475 km oder immer noch ...

 

wunderbarer Rastplatz 'Ermita de San Miguel',
alles steht zur Verfügung, herrliche Stille und Schatten
Wegkreuz Himmel und Erde
wunderbares Wegkreuz auf einem Feld Himmel und Erde berühren sich

 

Weg Herberge
Der weite Himmel - so gross, dass ich den Hutrand vorne aufklappen
musste. Er hätte sonst die Weite und Höhe eingeschränkt.
Zelt-Herberge in Carrión de los Condes. Im Ort sind alle Herbergen
 ausgebucht und fast bekomme ich erstmals Zweifel, ob ich hätte
 voraus fragen sollen. Dann aber dieser herrliche Zeltplatz am
Ausgang des Dorfes, der - wie es sich gehört...- fast leer war.

 

Aus dem Tagebuch vom Samstag 08. Juli 06
wo ist das Vertrauen?

Einmal mehr bleibe ich in der Herberge liegen, bis die anderen gestartet sind. Ich starte gemütlich und ohne Morgenessen. In Boadillo del Camino treffe ich eine herrliche Herberge mit Pool und schöner Gartenanlage an. Fast etwas zu schön. Das Morgenessen dort schmeckt ausgezeichnet. Ich komme ins Gespräch mit einem Andreas aus Dortmund. Er pilgerte mit seiner Frau zusammen über viele Jahre etappenweise nach Santiago. Danach hatten sie keine gute Idee mehr für weitere Ferien. Bis ... sie auf die Idee kamen, etappenweise von Santiago nach Hause zu pilgern. Das finde ich eine prima und spannende Idee.

In Frómista steht die bekannte Kirche San Martín. Ich besuche sie. Dann suche ich eine Bar und genehmige einen Rosé auf meinen verstorbenen Freund Walter. Mit ihm genoss ich im Jahr 92 bei einer Gruppen-Pilgerreise einen feinen kühlen Rosé in dieser oder einer benachbarten Bar. Es war einer der schönen genüsslichen Momente auf jener Pilgerreise, die sich mir im Gedächtnis einprägte. Ein halbes Jahr nach der Pilgerreise von 94 verunglückte Walter bei der Arbeit, sodass er an seiner Verletzung  verstarb.

Mittagsrast halte ich bei der Eremita St.Miguel. Ich bin dort im Schatten von Bäumen vorerst ganz allein. Dann kommt eine Radlerfamilie dazu und setzt sich an den Nebentisch.

In Villalcazar de Sirga halten viele an. Ich möchte noch weiter ziehen, obwohl es schon 16 Uhr ist. Es geht mir gut in der Meseta. Alleine geht es die geraden Weiten weiter. Ein 'Transeunte' (Umherziehender) fragt mich nach 60 Cents. er wolle in Bordeaux Arbeit finden. Ich biete ihm Wasser aus meiner Flasche an, weil er ziemlich verschwitzt und durstig aussieht. Kurz danach beschleichen mich eigenartige Aengste mit Fragen wie: wenn dieser Mann nun eine ansteckende Krankheit wie z.B. AIDS hat und aus meiner Flasche getrunken hat... Es braucht etwas Zeit, um mich wieder zu normalisieren.

Die Felder sind golden, der Himmel blau, der Weg schnurgerade.

Ankunft in Carríon de los Condes. Die erste Herberge ist voll, beim zweiten Versuch bei einem Hostal reagiert niemand, der nächste Platz ist voll etc... Ich gelange ans Ende des Ortes. Vorher sass ich mal in Ruhe in ein Gartenrestaurant, um etwas zu trinken. Könnte heute der Tag sein, wo ich kein Bett finde? Das gibt es doch nicht, oder?

Am Ende des Dorfes steht ein nobles Kloster-Hotel. So muss ich halt wohl auch hier mal fragen. Eine sehr elegant gekleidete Gesellschaft ist hier versammelt, wohl zu einer Hochzeit. Ich werde in meinem Pilgerlook etwas schräg angeschaut, aber niemand macht sich lustig. Die Dame am Empfang ist äusserst nett. Sie bedauert, dass ihr Hotel auch voll ist. Aber sie telefoniert ins Dorf und findet dort ein Zimmer für mich für 43 Euros, was nicht gerade wenig ist. Aber ich bedanke mich und mache mich auf den Rückweg ins Dorf zurück. Vor der Brücke sehe ich unten beim Fluss ein grosses Zeltlager und Plakate, die darauf hinweisen, dass hier ein Camp für Pilger eingerichtet ist. Daran war ich vorher vorbei gegangen, ohne es zu bemerken.

Es gibt Platz zuhauf!! Viele völlig leere Zelte stehen bereit. Ich bekomme ein ganzes Zelt für mich alleine und geniesse den Moment des Ankommens darin sehr. Und: das Ganze ist erst noch gratis. Kaum zu glauben. Es hat eben doch ein Bett auf mich gewartet!

In der Kirche St.Maria besuche ich die Abendmesse. Sie wird in spanischer Manier herunter gerattert. Nach der Messe findet ein Pilgersegen in der Sakristei statt. Ein Gebet wird mehrmals in verschiedenen Sprachen vorgetragen. Der Pfarrer schliesst sogar ein Ritual an - mal was Neues und Spannendes. Er sagt, dass es auch beim Pilgern immer wieder schlechte Gedanken gibt. Wir dürfen diese in einen Topf mit Watte gefüllt hinein denken. Dann giesst der Pfarrer Alkohol dazu und zündet das Ganze an. Darüber hält er den metallenen Weihwasser Wedel und besprengt alle mit Weihwasser. Ich finde das ganze Ritual sehr eindrücklich. Aber nicht alles ist wirklich stimmig. Es könnte noch weiter entwickelt werden.

 

Danach geniesse ich ein Nachtessen in einem Restaurant. Am gleichen Ort taucht Secundo auf, der Südamerikaner, den ich in Castrojeriz schon mal getroffen hatte. Er freut sich ausserordentlich, dass die Serviertochter Bertha aus Peru stammt. und redet viel mit ihr. Es ist ein interessanter Abend.

Danach beziehe ich mein Zelt und schlafe bald tief. Gegen Morgen wird es kalt mit meinem Seiden-Schlafsack ohne Wolldecke.

 

 

 

 

Sonntag 09.Juli:
Carrión de los Condes - Terradillos de los Templarios (28 km)

 

Die römische Strasse führt durch herrliche Gegend. Er ist aber von der Beschaffenheit her eher streng zu begehen. Der Kies ist sehr grob, schon fast schotterartig. Dafür: 4 Stunden Weg ohne etwas, ohne Bar, ohne Laden.

 

Jakobsmuschel Pilger
Muschelmonument in Carrión

 

Pilgersleute
Stein Baum
Hinveis auf die Römerstrasse via Aquitana von Bordeaux nach Astorga

 

einsamer Baum
immer wieder die Weite

 

jede und jeder geht seinen eigenen Weg Reitpilger
Jede und jeder geht seinen eigenen Weg

 

Reitpilger der vornehmen Art
Weitsicht ohne Behinderung
gemeinsam auf dem Weg und doch für sich

 

 
Flecha
   

 

Weg
Römerstrasse

 

Farbenteppich von Feldern

 

Steinflecha Begegnung
Steinflecha Pilgerbegegnung mit Stahl und anderem Ross

 

WM-Final
Lorenzo hat schon mal sein Fähnchen in die Nähe
des Fernsehers plaziert nicht zu aller Freude...
Spannung zwischen Frankreich und Italien am Final
aber auch in der Herberge. Lorenzo leidet.

 

 
  Der entscheidende Penalty. Lorenzos erlöster Jubel.

 

 

Aus dem Tagebuch vom Sonntag 9. Juli 06
 M wie Meseta und WM

Frierend stehe ich auf und dusche warm. Herrlich! Ich starte um 7.15 ohne Kaffee und Essen aber mit genug Wasser. Es folgen vier Stunden Meseta pur. Auf einer alten Römerstrasse geht es gerade aus ohne irgendeine Bar oder was ähnlichem.... Es ist wunderschön aber auch hart. Gegen Ende bekomme ich etwas Probleme, seelisch und mit den Fersen.

In Calcadilla gibt es wieder mal eine Herberge mit Pool. Die zwei Däninnen bleiben dort. Obwohl es Sonntag ist, zieht es mich weiter. Ich stärke mich in einer Bar.

Der Weg geht nun mesetisch weiter. Drei Reitpilger tauchen auf.

In Ledigos bin ich ziemlich erledigt. Ich trinke einen Kaffee und einen Rosado. Diese Kombination gab mir schon öfters gute Kräfte.

Ich raffe mich für die nächsten 45' auf. In Terradillos gibt es eine schöne Herberge.

Ein deutsches Mädchen taucht auf, das ich schon öfter angetroffen hatte. Sie ist erstaunt, dass ich auch da bin. Eine gute Dusche steht bereit. Um 15.15 geniesse ich das Mittagessen: Salat, Bohnensuppe und Lentillas-Dessert. Ein Florin stellt sich vor. Er hat den gleichen Weg über den Somport gemacht wie ich. Er stammt aus Frankreich.

Es ist Sonntag.
Der Abend gestaltet sich sehr unterhaltsam, da der Final der WM zwischen Frankreich und Italien bevorsteht. Lorenzo, den ich schon oft angetroffen hatte, stellt sein Italienfähnchen, das tagsüber an seinem Rucksack flattert, nahe zum Fernseher. Für die Franzosen nicht einfach zum Anschauen. Lange muss Lorenzo mit seiner Mannschaft mitleiden. Beim erlösenden Penalty reisst er die Arme in die Höhe und jubiliert laut. Die meisten waren eher für Frankreich eingestellt, vorallem die Franzosen. So gingen wir in einer eigenartigen Stimmung auseinander.

 

 

Seit Beginn der Pilgerreise in Frankreich ist Fussball-WM in Deutschland. Schweiz ausgeschieden, Spanien ausgeschieden, Deutschland ausgeschieden - es blieben noch Frankreich und Italien. Der Final in der Pilgerherberge endete mit dem enttäuschenden Penalty-Schiessen. Meine Idee anstatt: lieber zwei Sieger ausrufen.

 

 

Montag 10.Juli:
Terradillos de los Templarios - Calzadilla de los Hermanillos (27 km)

 

Wieder ein Stück entlang des Römerweges. Morgensonne ist wunderbar.

 

Sonnenaufgang Morgenlicht
Morgenstimmung Morgenlicht

 

 

 

  überschwengliche Ginsterbüsche

 

Ermita Georges
Ermita Virgen de la Puente

 

Georges hat einen schönen Schlafplatz gefunden
Muschellampe
Victor muss schön verliebt sein

 

Strassenlaterne mit Muschelverzierung
Bahn Francois
schnurgerade Bahnlinie

 

François, den ich später auch wieder in Santiago treffen werde.
Calzadilla de los Hermanillos - tagsüber menschenleer

 

Pilgerherberge in Calzadilla de los Hermanillos
Herbergsbuch Kreuz
erstaunliche Vielfalt an Nationen im Herbergsbuch von
Calzadilla de los Hermanillos
Kreuz vor der Herberge im Abendlicht. Durch den Tag war das Dorf
menschenleer. Gegen Mitternacht beginnt es lebendig zu werden.
Menschen aller Altersstufen sind unterwegs, plaudern, geniessen die
abgekühlte Luft und das Leben.

 

Aus dem Tagebuch vom Montag 10. Juli 06
 
Um Mitternacht beginnt das Leben im Dorf

    Wiedermal breche ich ohne Morgenessen auf. Die Mitpilger sind schon länger am Starten. Nach einer guten Stunde in San Nicolás del Real Camino trinke ich meinen Kaffee, er schmeckt sehr fein. Es fängt der lange Weg an - aber noch nicht total.

Die Ermita 'Virgen de la Puente', eine kleine Kapelle nach einer ebenso kleinen Brücke mitten auf dem Feld empfinde ich als mystischen Kraftort. Nahe der Kapellemauer entdecke ich einen schlafenden Pilger in seinem Schlafsack: es ist Georges mit dem roten Spitzbart, dem ich schon öfters begegnet bin.

Ich nutze den schönen Platz mit aufgestellten Bänken und Tischen für meine Morgenbetrachtung. Dem Tag Sinn geben...

Sahagún folgt, eine kleine Stadt mit Werkstätten am Rand. Wieder treffe ich Florin. Er berichtet ganz aufgeregt, dass er in der Herberge von einem anderen Pilger aus rassistischen Motiven geschlagen wurde. Der andere Pilger wurde von der Polizei verfolgt, weil über ihn bereits andere Geschichten bekannt waren. Florin muss am Vormittag zum Richter gehen, um eine Anklage zu erheben. Sein Gesicht ist maltraitiert. Diese Geschichte passt gar nicht zum Geist des Jakobsweges - oder eben - der Jakobsweg ist ein Abbild des Lebensweges - und da gehören solche Geschichten eben dazu.

François lädt mich ein, mit ihm weiter zu gehen. Ich bin nicht ganz glücklich, weil ich schon öfter mit ihm zusammen traf und hie und da komische Gefühle hatte. Er ist ein pensionierter Agro-Techniker mit viel Wissen und Engagement auch in der dritten Welt. Dies wiederum machte mir sehr Eindruck. Aber er spricht ein akademisches Französisch, von dem ich viele Worte schlicht nicht verstehe. Dies wieder machte manche Gespräche etwas streng.

Ich schliesse mich ihm an, denn ein etwas langsamerer Gang konnte meinen Füssen nur gut tun. Bei Calzada del Coto gilt es, sich für den linken oder rechten Weg zu entscheiden. Wir nehmen den rechten Weg, die Römerstrasse. Dieser hat es in sich bei grosser Hitze. Zum Glück hatte ich vorher gut gerastet.

Der Weg bis Calzadilla de los Hermanillos ist ziemlich streng. Aber mit regelmässigem Gehen und Atmen und einer Pause im Schatten geht es trotz Hitze gut. 

Im Dorf sind wir zu viert für das Nachtessen: Sigmund und Inge aus Norwegen, François und ich. Mir geht es gut.

Eine Frau vom Dorf sagt, diese Temperatur von gut 35° sei höher als im ganzen Sommer. Das Dorf scheint bis tief in den Abend hinein menschenleer. Ich kann in der heissen Herberge nicht schlafen. Inge packt ihren Schlafsack und verschwindet mit Bikini gekleidet hinter dem Haus. Gegenüber sitzen ein paar ältere Leutchen auf einer Bank und schauen interessiert, was da läuft. Je später der Abend, desto belebter die Strasse. Gegen Mitternacht ist so richtig etwas los. Menschen in allen Generationen von ganz klein bis ganz alt promenieren, fahren mit dem Fahrrad, plaudern und lachen zusammen. Ich sitze länger draussen vor er Herberge und betrachte dieses lebendige Treiben, das in der Schweiz sehr unvorstellbar ist. Aber wie gut täte es doch in der Schweiz vielen älteren Menschen, sich am Abend einfach so mit anderen treffen zu können, statt schlaflos in einem Zimmer zu liegen.

 

 

 

 

Dienstag 11.Juli:
Calzadilla de los Hermanillos - Mansilla de las Mulas (24 km)

 

Wie fast immer starte ich als letzter um circa halb 7 Uhr.
Vorteile: Packen bei Licht, Dusche und WC total frei, ruhiger Aufbruch und ... auf dem Weg laufe ich stundenlang alleine vor mich hin.  

 

 

 

Autozug Pilger
Autozug wie eine Fata Morgana

 

Selbstportrait
Pilgerweg
schnurgerader Pilgerweg von der Alternative her gesehen

 

Sonnenblumen

 

Bäume
Radpilgern ist nicht immer ein Schleck

 

ein paar von Hunderten gepflanzter Bäume entlang des Weges
Salatteller
Versuch eines Selbstportraits an der Allee immer wieder ein Leckerbissen, ensalada mista

 

Wäsche Austausch
tägliche Pilgerwäsche, hier im Innenhof der Herberge
in Mansilla de las Mulas

 

und Austausch untereinander. Ich treffe auf Christian, der eine
schöne DVD über den Camino vertreibt. Adresse.
   
Nachtessen Unkrautblumen
Gemütlicher Tagesabschluss mit feinem Essen und vino: salud!
Inge, François, Sigmund - Schweiz, Norwegen, Frankreich an einem
Tisch.
Auch Unkraut kann wunderschön sein

 

 

Aus dem Tagebuch vom Dienstag 11. Juli 06
  die überraschende Frau

Wieder mal stehe ich als Letzter auf und geniesse es, die ganze Herberge für mich zu haben, Dusche inclusive. François erwartet offensichtlich, dass ich mit ihm weiter gehe. Er geht mal und ich starte später. Es folgen nun 4 Stunden Meseta pur ohne ein Dorf dazwischen. Ich bin gut unterwegs. François weit vorne alleine gehen zu sehen, ist eindrücklich. Ein kleines Menschenleben in der grossen weiten Landschaft.

Wir Menschen sind einerseits etwas Grossartiges und andererseits so ein Nichts in Allem.

Der Weg führt durch verschieden Felder mit verschiedenen Bepflanzungen. Plötzlich sehe ich eine kleine, fast frisch geborene nackte Maus auf dem Weg. Sie bewegt sich, aber kommt nicht vorwärts. So befördere ich sie ins Feld, wo sie allenfalls überlebt. Die Ränder der Felder entlang der Wege sind sowieso voller Mäuse. Sie rascheln beim Vorbeigehen davon.

Erstaunlich sind für mich die Wasserläufe. Mitten in der scheinbaren Trockenheit gibt es fliessende, sprudelnde Bäche. Zweimal kommt es mir vor wie in einer Oase in der Wüste.

Später hole ich François bei einer Rast ein. Er hat Probleme mit einer Blase am Fuss. Er ist nun schon so weit gegangen - von Moissac bis hierher und bekommt nun eine Blase.

Vor Religios gibt es eine Kreuzung. Wir beratschlagen über unseren Weg. François möchte gerade aus, ich ziehe den Schlenker ins Dorf nach links vor. So gehe ich wieder kurz für mich alleine. Im Dorf hat es sehr viele Pilger. Sie sind einen anderen Weg gegangen. Ich empfinde die Ansammlung als sehr laut nach dieser langen Stille. Ich trinke einen Kaffee.

Als ich starten möchte tritt neben dem Restaurant eine alte Frau mit Blumenstrauss aus einem Korridor. Sie schaut mich kurz an und fragt, ob ich gerne eine Orange möchte. Ich sage überrascht: ja gerne. - Sie winkt mich verstohlen in den Hauseingang, damit mich die anderen nicht sehen können... und drückt mir eine grosse Orange in die Hand. Ich habe solche Freude, dass ich fast weg fliege!

Am Ausgang des Dorfes sitzt ein junger Bursche, der mich schon öfters überholte - ich ihn scheinbar auch... Er sei Pole. Eindrücklich, dass junge Menschen von so weit her pilgern.

Ich freue mich auf das kommende Stück Weg, das der Strasse entlang unter frisch angepflanzten Bäumen führt. Ich bemerke, dass die Bäume einzeln getränkt werden. Sie sind deshalb schön gewachsen. Ich hatte sie schon öfter von weitem aus dem Auto heraus gesehen. Eine eindrückliche, lange Allee. Die gepflanzten Bäume zeugen von viel menschlicher Energie und gutem Denken.

Ankunft in Mansilla de las Mulas. Makrt - Herberge. Mittagessen mit Ensalada mista, von dem ich nie genug bekommen werde, weil er so fein ist! Danach Tiefschlaf.

Beim Abstempeln des Pilgerpasses höre ich, wie eine Frau klagt, dass sie langsam genug von den Kornfeldern habe. Sie eile so 35 - 40 Kilometer am Tag.... und .... 

Der Hospitalero versucht sie auf anderes zu lenken, das doch gut ist. Sie versteht nicht. Interessant.

 

 

 

Mittwoch 12.Juli:
Mansilla de las Mulas - León (17 km)

 

Wie schon öfters beeindrucken mich die kräftig fliessenden Wasserkanäle entlang des Weges. Das Wasser fasziniert in dieser Gegend, weil es im Kontrast mit der von Sonne ausgetrockneten Erde steht.

 

Storch Markt in Leon
Storch auf (Ab-)Wegen

 

Ankunft in Leon mit Markt
Leon Teiletappenziel Leon
Kathedrale  von Leon, Schwester von Burgos

 

beeindruckend vorallem im Innern durch die Fensterfarben
wunderbare Fensterfarben lebendige Kathedrale León
meine Lieblingsfarbe in der Kathedrale León

 

Im Innern der Kathedrale León spüre ich im Gegensatz zu Burgos
eine Lebendigkeit, die ich schwer erklären kann.
 Ein imposantes Bauwerk und: was wurde damals mit den gegebenen Mitteln geschaffen im Vergleich zu unseren heutigen
platten und viereckigen Bauten und den heute gegebenen Mitteln und Instrumenten!

 

Jakobsmuscheln Strasse in León mit Jakobsmuschel
Jakobsmuscheln an Fassaden Jakobsmuscheln am Boden eingelassen

 

Parador San Marcos
Teil des riesigen Gebäudes Parador San Marcos - ein ehemaliges Kloster - auch schon mal ein Gefängnis

 

San Marcos Santiago Matomoros
Jakobsmuscheln am Parador San Marcos Santiago Matomoros an der Fassade des Parador San Marcos

 

Eingang Eingangshalle Parador
Eingang zum Parador San Marcos

 

Eingangshalle des Parador
Zimmer Kreuzgang
Zimmer im Parador San Marcos

 

Kreuzgang San Marcos
Barrio Húmedo Gewitter
Barrio Húmedo - das feuchte Quartier Gewitterregen über León - ganz schweizerisch

 

 

 

Aus dem Tagebuch vom Mittwoch 12. Juli 06
  da Dä da döör!

Etwas später als der Pulk und etwas früher als die Siebenschläfer mache ich mich auf den Weg. Am frühen Abend hatte ich eine gemütliche Stunde im Empfangszimmer der Herberge erlebt. Ich sass auf einem Polsterstuhl und beobachtete genüsslich die Szene. Die Chefin hiess Laura. Christian tippte etwas in sein Laptop und im Hof befragten zwei Polizisten eine Pilgerin zu irgendwas.

Der Abend endete mit einem Pilgertratsch im Innenhof der Herberge. Christian sass dort und Ruedi aus Oesterreich. Er hat mit dem Pilgern auf dem Jakobsweg gegen den Krebs angekämpft. Eine Geschichte, wie ich sie nicht zum ersten Mal höre.

Die Morgendusche findet mit kaltem Wasser statt. Es gibt wohl kein Gas mehr.

Nun folgt also der Weg nach León. Es ist nochmals eine schön gerade Strecke. Mich beeindrucken die kräftigen Wasserkanäle neben den Feldern. Sie werden für die Bewässerung gebraucht. Das Gurgeln spricht von viel Lebenskraft.

Langsam naht der Grossraum León. Der Verkehr nimmt stetig zu. Mit der Zeit folgen Überquerungsübungen über die Strassen. Von Weitem ist die Kathedrale sichtbar gleichauf mit den Reklametafeln für den 'Corte Ingles'. Eingangs von León steht ein Empfangshäuschen für die Pilgerinnen und Pilger. Die Frau labert mich voll mit Infos, die ich nicht will - aber die sicher für manche nützlich sind.

Ich strebe der Kathedrale zu. Dort sind auch die beiden Holländer. In der Kathedrale bin ich für einen Moment ergriffen, aber nicht lange. Ich besichtige die grossartige Kirche, die ich schon von mehreren Besuchen kenne. Ich habe sie gerne mit den farbigen Fenstern und weil sie im Gegensatz zu Burgos für mich lebt. Mir fällt die 'Virgen de la Esperanza' auf, die schwangere Gottesmutter Maria. Ein Abbildung, wie sie in der Schweiz selten oder nie vorkommt.

Nun kommt die Herberge - respektive das, was ich mir als Übernachtungsort ausgedacht habe. Schon viele Jahre träumte ich von einer Übernachtung in einem Parador. Dies sind spanische Luxushotels, meist in alten Klöstern oder Burgen eingebaut. In León hatte ich früher mal die Eingangshalle des Parador San Marcos fotografiert. Fast scheu und ein wenig sprachlos war ich damals in Pilgerkluft eingetreten.

Nun also hatte ich den ganzen Tag Zeit gehabt, mich auf diesen Ort zu freuen. Aber: es ging ein riesiges Hin und Her in mir los. Ist das nicht verrückt! Spinne ich jetzt? Das darf ich ja niemandem erzählen! schon gar nicht Pilgern, die in der gleichen Nacht in einer Pilgerherberge logieren... Kurz zusammengefasst: da Dä da döör. (dass Dieser dies tun darf...)

Endlich gebe ich mir einen Ruck und erinnere mich an das Versprechen, das ich mir mal gab: nicht mehr nur davon zu träumen, etwas Schönes tun zu können - es aber dann doch nicht zu tun - und im Nachhinein zu bereuen, es nicht getan zu haben... Diese Erkenntnis bahnte sich aus einer Krankheit und der späteren Aufarbeitung in der Lebens- und Trauerberatung bei Dr.J.Canacakis an. Nun war wieder mal so eine Prüfung da.

Und: ich habe sie bestanden!

Ich betrete in Pilgerkluft die Paradorhalle. Irgendwie stimmt es zusammen. Denn dieses Haus war mal ein Kloster. Ich erhalte ein Zimmer etwas vergünstigt für 115 Euros. (Die Vesuchung ist da, dies in Pilgerherbergs-Übernachtungskosten umzurechnen....)

Die Grösse des Paradors überrascht mich. Ellenlange Korridore, Zimmer an Zimmer, Säle - unter anderem auch ein Pilgersaal, ein Kreuzgang ... Das Zimmer ist sehr vornehm ausgestattet und gross. Zu zweit wäre es natürlich noch schöner...

Dann bummle ich durch die Stadt, erledige viele Geschäfte wie Foto-CD's brennen, Internetcafé besuchen und Mails schreiben. Nach dem Versand der CD's nach Hause kreuze ich im Barrio Húmedo, dem 'feuchten Quartier' auf. Es gibt wunderschöne Gassen in der Stadt, schöne Beizlis, feine Tapas und feinen Rosé, resp. vino rosado.

Am Abend prasselt ein Gewitter über die Stadt und dieses bringt mich auf die Idee, drinnen zu essen. Ich betrete ein gutes Restaurant und setze mich alleine an einen Tisch. Das hätte ich mir früher nicht richtig vorstellen können. Auf dieser Pilgerreise habe ich es zu geniessen begonnen. Einen ganzen Tisch für mich allein, den Service für mich allein, keine überflüssigen Fragen oder Gespräche, viel Zeit zum Beobachten und zum Nachdenken und zum Geniessen. Ein Poulet mit Knoblauch angerichtet schmeckt vorzüglich!

Später bittet mich ein Mann, für ihn in Santiago zu beten. Er erzählt, dass er mal in Andermatt für Skimilitärmeisterschaften war. Mich beeindruckt eine solche Bitte - wir kennen diesen Wunsch in der Schweiz so nicht.

In den Parador komme ich ganz verregnet zurück. Das Zimmer 432 ist sehr schön. 

Die Pilgerinnen und Pilger habe ich ganz aus den Augen verloren. Aber dies stört mich nicht. Trotzdem gab es etwas, das mich in meiner Stimmung herunter ziehen wollte.

 

 

Teil 1 Anreise nach Lannemezan. Pilgerweg über Lourdes bis Oloron-Sainte-Marie
Teil 2 Pilgerweg von Oloron-Sainte-Marie über den Col du Somport bis Puente la Reina
Teil 4 Pilgerweg von Leon über den Rabanal und Cebreiro-Pass nach Santiago de Compostela
Teil 5 Pilgerweg von Santiago de Compostela nach Finisterre

 

 

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