PILGERN AUF DEM JAKOBUSWEG 
Pilgern Hintergrundinfos Jakobsweg Pilgerreisen St.Gallen Links zum Jakobsweg  
Aktuelles zum Jakobsweg Bücher     facebook.com/pilgern.ch

Home

 
Pilgern - verschiedene Facetten
Das Pilgern kennen wir aus allen Religionen und Kulturen in allen Teilen der Welt zu allen Zeiten.
Diese Seite geht zuerst auf das Pilgern ein, wie wir es vom Jakobusweg her kennen.
Dann stelle ich verschiedene andere Aspekte des Pilgerns, andere Pilgerreisen und andere Pilgerorte vor.
Inhalte dieser Seite

 
 
Was heisst pilgern? - eine Annäherung an die Bedeutung  
gewählte Hauslosigkeit, Fremde
Ethymologisch bezieht sich das Wort pilgern auf das lateinische Verb 'peregre' - über den eigenen Acker hinaus gehen. Ein Pilger bricht auf, um den eigenen 'Acker', die eigene Lebenswelt zu verlassen. Die Pilgerin, der Pilger begibt sich in die Fremde. Ein mittelalterliches Pilgerlied nennt dies 'das elend wagen'. Der Pilger wird ab etwa dem 8.Jhdt. 'piligrim' genannt, noch hörbar im englischen 'pilgrim' oder in der Pilgerschaft, auf englisch pilgrimage.
Pilgern bekommt die Bedeutung, eine Fuss-Reise zu einer religiös verehrten Stätte zu machen - was heute eher wallfahren heisst.

wallfahren oder pilgern
Wallfahren wiederum bedeutet in der Tradition, gemessen schreiten, in einer Prozession feierlich dahin schreiten.
Beim Pilgern ist der Weg ebenso wichtig wie das Ziel (der Weg ist das Ziel), beim Wallfahren ist das Ziel, die heilige Stätte, wichtiger als der Weg.
Es geht aber nicht um ein entweder - oder, sondern um eine sowohl - als - auch. Marco Zenetti formulierte es so: 'der Weg ist das Ziel erst, wenn das Ziel zum Weg wurde'.

pilgern oder wandern
Was macht den Unterschied zwischen pilgern und wandern?
Ich habe die Formel gefunden: pilgern heisst wandern+ . Im Pilgern ist das Wandern inbegriffen. Das + ist der spirituell, religiös
e Aspekt, der bewusst (manchmal auch unbewusst...) und explizit zum Pilgern gehört.

pilgern führt zur eigenen Mitte
Das Pilgern leistet einen Beitrag zur ganzheitlichen Gesundheit. Es hilft, den Kopf 'auszulüften' und sich im wortwörtlichen Sinn neu zu 'erden'. Das Schritt-für-Schritt Vorangehen, das ganz 'Bei-Sinnen-Sein' in der Natur, die Reflektion und der Austausch über die gemachten Erfahrungen sind gerade dann eine Hilfe, wenn in der momentanen Lebensetappe ein eigentlicher 'Berg' vor einem liegt. Das Pilgern ist im Weitesten Sinn auch eine Burn-Out-Prävention. Die Erfahrung zeigt, dass Pilgerreisen zur eigenen Mitte und zur eigenen Kraft hinführen. Manche entdecken im Pilgern zu ihrer positiven Überraschung, wieviel Lebenskraft und Lebensfreude in ihnen schlummert.
Jakobsweg Schweiz - nach Stans

Top

Inhalt:  

 

Jakobspilger im Wald
Jakobspilger auf ihrem Weg.
Stich von H. Cock nach Breughel aus dem 18.Jhdt.
 
Pilger bei der Mittagsrast
Pilgerin und Pilger bei der Mittagsrast.
Kupferstich von Lukas von der Leyden, 1508. Quelle
Man muss wie Pilger wandeln, frei, bloss und wahrlich leer; viel sammeln, halten, handeln macht unsern Gang nur schwer. (G.Tersteegen)

Top

 
BEWEGGRÜNDE ZUM PILGERN
Die Pilgerreise ist ein lebendiges Symbol des menschlichen Lebensweges. Darauf weist auch die geographische Ausrichtung des Jakobusweges hin: von Osten (Sonnenaufgang, Geburt, Leben) hin zum Westen (Sonnenuntergang, Sterben, Tod) an den Atlantik (Ewigkeit). Im Westen ist der Umkehr-Punkt, die Neu-Geburt, der Beginn des neuen Lebens.
Diese Ausrichtung findet sich auch in den ursprünglich gebauten Kirchen. Der Chorraum ist geostet, der Ausgang führt nach Westen.
Von dort ist das Leben (Sonne, Licht, Christus) zu erwarten. Der Hahn auf dem Turm kündet dieses Morgenlicht an.
 

Traditionelle Beweggründe für die Pilgerschaft:

  1. Verehrung eines Heiligen oder eines Heiligtums.
    Dieser Beweggrund gilt weltweit für alle Religionen und Jahrhunderte. 

    Beispiele:

    Jerusalem - die Stadt Jesu
    Rom - die Stadt der Apostel Petrus und Paulus
    Santiago - Stadt von Jakobus dem Älteren
    Vézelay - Stadt von Maria Magdalena  
    Mekka - die Stadt Mohammeds
    Fuji-san - heiliger Berg des Shinto in Japan
    Benares - die Stadt Buddhas
    Tauropolis - die Stadt der Artemis
    Einsiedeln - ein Ort der Maria
     

  2. Suche nach Heil
    Die Menschen möchten etwas unternehmen für ihr Heil: für das
    Heil im Diesseits und auch im Hinblick auf das Jenseits.
     
    1. Zur Busse und Sühne
      von begangenem Unrecht, von Schuld, von Sünden.
    2. Wunder
      In der Hoffnung, es geschehe ein Wunder, es geschehe eine
      Heilung (z.B. Lourdes).
    3. Gelübde
      Zur Erfüllung eines abgelegten Gelübdes nach Bestehen einer
      Gefahr oder Krankheit.
    4. Zum Dank
      für eine Heilung oder Errettung aus einer Not.

Top

Karte der Jakobswege durch Europa nach Santiago de Compostela

Karte der europäischen Jakobswege nach Santiago de Compostela.
Karte erstellt von Manfred Zentgraf
erweitert und korrigiert durch Josef Schönauer und Franziska Kehl

Top

Speziell mittelalterliche Beweggründe der Santiago-Pilgerreise:

  1. Politisch motiviert:
    Könige und Fürsten besuchen einen Ort aus Prestigegründen
    (Anleihen sind z.B. bei heutigen Papstbesuchen zu erkennen).
     
  2. Bezahlte Pilgerreise:
    reiche Leute, die selber keine Zeit (oder vielleicht auch keine Lust) hatten,
    beauftragten und bezahlten PilgerInnen, in ihrem Namen eine Pilgerreise anzutreten.
     
  3. Strafvollzug:
    statt jemanden ins Gefängnis zu schicken, wurden Verurteilte auf den Weg
    nach Santiago geschickt. Gegen Vorweisung der Pilgerurkunde vom Zielort war
    die Strafe erlassen.
    (Ähnlichkeiten sind heute bei Drogenabhängigen-Projekten zu erkennen:
    per Schiff unterwegs, Outdoor-Projekte. Siehe: Bewährungshilfe, Kapitel Jakobsweg)
     
  4. Unfromme Motive:
    Dass es auch Probleme mit der Pilgerei gab, belegt ein Dokument vom 4. Juni 1832, das in St.Gallen veröffentlich wurde.
    Es weist die Polizei an, 'Wallfahrter' ohne gültige Ausweise nach Vorarlberg zurück zu schicken. Dokument (Quelle: Landesarchiv Bregenz)
Top

Statistik Alter der PilgerInnen
in Santiago de Compostela angekommene PilgerInnen
Quelle der Daten: Erzbistum von Santiago de Compostela. Grafik: Josef Schönauer.
Weitere statistische Informationen siehe hier...

 

Beweggründe damals und heute:

 
  1. Tapetenwechsel: 
    eine Pilgerreise ist ein 'legaler', öffentlich anerkannter Grund, aus dem Alltag auszubrechen und die Eintönigkeit des Lebens zu durchbrechen (modern ausgedrückt: Sabbatjahr, Bildungsurlaub).
     
  2. Neugier auf das Fremde - Kontakt mit dem Fremden: 
    die Pilgerreise führt durch fremde Länder, Landschaften und Städte. Sie führt mit fremden Menschen, fremden Kulturen und Religionen 
    zusammen. 
    Der Jakobsweg ist ein echt europäischer, Europa-bildender Weg, resp. ein solches Wegenetz.
     
  3. Sehnsucht nach Abenteuer und Improvisation: 
    eine Pilgerreise, vor allem zu Fuss, bringt viel Unvorhergesehenes und vielfältige, zum Teil abenteuerliche Erlebnisse mit sich. 
    Es kann nicht alles wie zu Hause voraus geplant und fixiert werden. 
    Die Aufmerksamkeit wird auf die Gegenwart statt auf die Vergangenheit oder Zukunft gerichtet. 
    Es ist die Erfahrung, im Hier und Jetzt zu leben.
     
  4. Sehnsucht nach Einfachheit und Ursprünglichkeit: 
    Dies gilt in besonderem Masse für unsere Zeit in Bezug auf:

     

    1. Lebensstil: 
      natürliche Fortbewegung, einfaches Essen, wenig Kleider, einfaches Wohnen. (siehe auch Survival Reisen)
       
    2. Zeit-Erfahrung: 
      den Tag, die Woche(n) ohne Terminkalender oder Tagesplan-Raster erleben. Impuls-Text
       
      Rast - ein wichtiger Teil beim Pilgern Rasten ist schön

       

    3. Religiöse Erfahrungen:
       
      • direkte, archaische und sinnliche religiöse Erfahrungen statt entleerte, abgehobene oder unverständliche Lehren und Rituale.
         
      • Erfahrung der Verbundenheit und des 'sich eins fühlen' mit der Schöpfung, dem Kosmos, mit Gott (All-ein).
         
      • Religio heisst 'verbunden, rückgebunden'. Pilgern wird auch bezeichnet als: Beten mit den Füssen und dem ganzen Körper.
         
  5. Leiberfahrung: 
    Die Erfahrung machen, dass 'ich' der Körper, der Geist und die Seele bin, statt sie zu haben. 
    Der Mensch ist als 'Leib' unterwegs - Seele, Körper und Geist kommen gleichzeitig in Bewegung und entdecken sich neu.
     
  6. Verabschieden: 
    Einige Menschen machen sich auf den Pilgerweg, um Abschied zu nehmen: von einer verstorbenen Person, von einer getrennten Person, von der Arbeitswelt (Pensionierung), von einer bestimmten Lebensphase.
Seitenanfang

Pilgerfigur in Tournus, Burgund

Pilgerfigur in Tournus. Foto:js.

 

Pilgerschaft und Abschied-Nehmen:

Auf der Pilgerschaft gehört das Abschied-Nehmen zu jedem Tag. 
Täglich führt die Reise weiter. Panta rei! - alles fliesst! Dieses Lebensprinzip entdeckte der griechische Philosoph Heraklit beim Betrachten eines Flusses.
Schon nach einem Augenblick ist der Fluss nicht mehr der Gleiche wie vorher. 
Der Pilgerweg zeigt durch Erfahrung auf, dass unser ganzes Leben ein 'abschied-liches' Leben ist: 
Abschied von der Mutter bei der Geburt, von Lebensphasen, von Idealen, von befreundeten Menschen, von liebgewordenen Orten.

 

Todo pasa, 
y toda queda, 
pero lo nuestro es pasar, 
pasar haciendo caminos, 
caminos sobre la mar.

(Antonio Machado, Ganzer Text)
 

Alles vergeht, und alles bleibt, 
aber es ist unser (Schicksal) zu vergehen, 
zu vergehen, indem wir Wege gehen, 
Wege über das Meer.

(Übersetzung von Barbara Haab)

 

Das Verabschieden wird auf der Pilgerschaft täglich erlebt und durchlebt, statt wie im Alltag zuhause übertönt oder weggeschoben. 
Die Trauer, herstammend aus Abschied(en) und Verlusten, darf leben. 
Sie kann sich wandeln in Lebensenergie und sie kann ihrer Schwester, der Freude, Platz machen.

Nicht zuletzt das Ende des Pilgerweges in Santiago ist ein Trauer auslösender Moment, was Viele vorerst aus Freude über das erreichte Ziel nicht erkennen.

Manchmal äussert sich diese Trauer im Empfinden der Stadt Santiago als überlaufene, chaotische Massen-Stadt - das Aussen bildet das Innen ab und kann gut verwechselt werden.

Dass in früheren Zeiten auch die Heimreise eine nochmals gleich lange Pilgerreise war, hatte seelisch gesehen sicher ihren Wert - diese Erfahrung des langsam dem Zuhause Annähern fehlt uns heutigen Pilgernden meist. Die Seele äussert sich deshalb nach der Ankunft zuhause bei vielen Pilgernden mit einer Krise.
Seitenanfang
 

 
PILGERN IN ANDEREN ZUSAMMENHÄNGEN

Labyrinth von Chartres

Labyrinth von Chartres
Kopie einer Fotoreproduktion:
Bodenlabyrinth von Chartres

In Chartres steht eine der berühmtesten gotischen Kathedralen. Sie ist selbst eine Station auf dem Pilgerweg nach Santiago. Auf dem Fussboden ist ein Labyrinth eingelassen. Es nimmt die ganze Breite des Schiffs ein. Somit ist beim Betreten des Kirchenschiffes das Labyrinth eine Art Durchgang. 
Darauf wurde jeweils ein Ostertanz der Kleriker aufgeführt. Im Ostertanz wurde die Auferstehung Christi und die neue Weltschöpfung gefeiert. Der liturgische Tanz ging weiter nach Sens und Auxerre. Auch dort gab es ein Bodenlabyrinth.
Das Labyrinth leitet auf Pfaden, die chaotisch scheinen, doch in  Wirklichkeit geordnet sind. Die Kirchenlabyrinthe waren immer einlinig und also kein Irrgarten. Man kann den Weg nur scheinbar verlieren - er führt aber mit Sicherheit ins Zentrum - allerdings über viele Wendungen, Kehren und lange Um-Wege.

Labyrinth in Chartres
Bodenlabyrinth vom Eingang her betrachtet.
Umgang in 11 Kreisen, ca 262 Meter Länge.
Foto: js

 
Links:

 

Geistige Pilgerschaft - Holzstich von Flammarion

Pilgern als Durchbruch
Holzstich veröffentlicht in Flammarion's Buch 1888
(siehe nebenan die genauen Angaben)
nachträglich coloriert - Original in schwarz-weiss.

Der Holzstich aus Camille Flammarion, L'Atmosphère. Météorologie populaire, Paris 1888. wurde lange Zeit für mittelalterlich gehalten. Das Bild empfindet das vorkopernikanische Weltbild nach. Der Künstler erklärt seine Darstellung als 'Durchbruch des Menschen durch das Himmelsgewölbe und Erkenntnis der Sphären'. Das Bild hat etwas mit Pilgern zu tun, weil darin auch oft der Durchbruch in eine neue Welt gesucht wird und oft auch gelingt.

 

 

 

Abraham und Sara, die 'Ur-Pilger'

 

"Der Herr sprach zu Abraham: Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde. Ich werde dich zu einem grossen Volk machen, dich segnen und deinen Namen gross machen. Ein Segen sollst du sein." (Gen 12, 1)

Abraham ist mit Sara aufgebrochen in ein unbekanntes Land.

Für mich klingt in dieser Geschichte und dem nebenstehenden Bild das Motiv des 'Sternenweges' an.
Der Jakobsweg wird auch Sternenweg genannt.

Abraham unter dem Sternenhimmel
Abraham betrachtet den Sternenhimmel.
In Gen 15,5 heisst es:
"Er führte ihn hinaus und sprach: Sieh doch zum Himmel hinauf und zähl die Sterne, wenn du sie zählen kannst. Und er sprach zu ihm: So zahlreich werden deine Nachkommen sein." 
Das Bild stammt von Kees de Kort.

  Seitenanfang

Die Weisen aus dem Morgenland

 

Autun - drei Könige
Element auf einem Kapitell in Autun, Frankreich: 
ein Engel weist die drei schlafenden Könige auf den Stern hin. 
Die drei Könige machten sich darauf auf den 'Sternenweg', 
hin nach Bethlehem. Foto: js.

Die Weisen (Magier, Könige) aus dem Morgenland machten sich auf den Weg, weil ein Stern die Geburt eines Königs ankündete.
Sie machten sich auf Pilgerschaft in die Fremde. Wie der Jakobsweg von Osten nach Westen führt, kommen die Weisen aus dem Osten (dem Morgenland). 
Das Matthäusevangelium stellt diese Reise in Kapitel 2, 1-12 dar. In Vers 9 heisst es: "Und siehe, der Stern, den sie im Aufgehen gesehen hatten, zog vor ihnen her, bis er ankam und stehenblieb über dem Ort, wo das Kind war."
Die ganze Szenerie erinnert die Jakobsweg-Kundigen an die Legende vom Stern, der über dem Feld leuchtete (Campos-Stella), wo das Grab von Jakobus lag.
Andere Anklänge sind in Namen von Gasthäusern zu erkennen: 'Drei Könige' oder 'Krone'. Diese waren nicht selten Herbergen, die auch Pilgern zur Verfügung standen. Eine solche befindet sich z.B. an der Rue Stalden in Fribourg.

Interessante Seite zu den Drei Königen mit vielen Aspekten

Infos zum heutigen Bethlehem.

  Seitenanfang

Bruder Klaus und die Pilgerschaft

 

Pilger bei Bruder Klaus
Bruder Klaus wird von einem Pilger besucht. Bruder Klaus und der Jakobspilger. Holzschnitt aus der Chronik von Johann Stumpff, Zürich 1548. 

Bruder Klaus - oder Niklaus von Flüe lebte im Flüeli-Ranft bei Sachseln. Es liegt am Jakobsweg zwischen Stans und dem Brünigpass. Offensichtlich hatte Bruder Klaus öfters Besuch von Pilgern. Man weiss von ihm, dass er für viele Menschen ein Ratgeber war.
Siehe folgenden Artikel von Werner T. Huber, Dr. Theol.   

 

 

Jesus Christus als Pilger

 

An der Fassade der Herberge von San Juan de Ortega findet sich die Kopie eines Reliefs vom Kloster Santo Domingo de Silos.
Es stellt Christus mit den Pilgerutensilien dar, mit Tasche und Jakobsmuschel.
Das Bild erinnert an die biblische Geschichte der beiden sogenannten Emmaus-Jünger.
Die zwei Apostel waren nach dem Tod Jesu voller Trauer unterwegs von Jerusalem nach Emmaus.

Hier ein Ausschnitt dieses biblischen Textes, Lukasevangelium Kapitel 24, Vers 13 und folgende:

"Am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.
Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.

Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen.

Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, sodass sie ihn nicht erkannten.

Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen,
u
nd der eine von ihnen - er hieß Kleopas - antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?
Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk." (Bibel)

Das Bild verdeutlicht eine spirituelle Aussage des Pilgerns: Christus ist als Weggefährte unterwegs auf Pilgerschaft. So wie er damals von Ort zu Ort unterwegs war und nirgends ein zuhause hatte, so ist er auf unserem Lebensweg, auf unserer Pilgerschaft ein Weggefährte.

 

Jesus Christus als Pilger
 

Seitenanfang

Der Engel Raphael

 

Der Engel Raphael wird als Begleit-Engel, als eigentlicher Schutzengel dargestellt. Oft als Begleiter von Kindern analog der biblischen Geschichte mit Tobias (Buch Tobit Kap.5).
An der Aussenfassade des Schulhauses von Niederglatt SG malte der Maler Ferdinand Gehr dieses Motiv, das mich durch die Schulzeit begleitete.
In Córdoba traf ich eine besonders interessante Darstellung.
Der Engel Raphael geschmückt mit Jakobsmuscheln, dem Zeichen des Pilgerns.

Engel Raphael in Córdoba
Engel Raphael in der Mezquita von Córdoba, geschmückt mit Jakobsmuscheln. Foto:JS

Seitenanfang

Jenseitsreise als Pilgerreise - Pilgerreise als Jenseitsreise

Die Jenseitsreise als Pilgerreise:  Das Purgatorium des hl. Patrick  (Purgatorium = Reinigungsort)

Der Pilgerort und die Pforte in die jenseitige Welt war Lough Derg im County Donegal in Irland. Es war eine Höhle. Die Pilger kamen zu Tausenden an diesen Ort, wo sie sich im Purgatorium einschliessen liessen.(S.55) Darin erlebten sie Visionen, in denen sie ihre Pilgerreise bis ins Jenseits ausdehnten. Diese Pilgerreise besteht bis zum heutigen Tag. 

Der bekannteste Bericht stammt von einem Ritter Owen, den der Zisterziensermönch H. von Sawtry Ende des 12.Jhdt. zusammenstellte. Es ist eine Bekehrungsgeschichte. Nach einer Nacht in der Höhle kommt Owen in einen langen dunklen Gang. In Weiss gekleidete 12 Männer warnen Owen vor den Gefahren und geben ein Schutzgebet mit, den Namen Jesu.

Er besucht dann vier Stätten der Bestrafung. Er erlebt einen bodenlosen Brunnen, einen feurigen Fluss und eine Brücke darüber. (S.59) Dann kommt er zu einem Tor, das in einen lichtdurchfluteten Raum führt, den Vorraum des Himmels. Weiter geht es auf einen Berggipfel, wo er den Vorgeschmack des Himmels erlebt. (S.60) Er wird gegen seinen Willen durch das Tor zurückgeführt. Danach schliessen sich 15 Tage Meditation in der Kirche an. Danach begibt er sich nach Jerusalem, nicht mehr als Kreuzritter, sondern als Pilger. (S.61) 

Das Merkmal der Vision von Ritter Owen ist die Vorstellung des Lebens als einer Pilgerreise. Die Pilgerreise wird im Hochmittelalter ein Symbol für die Reise des einzelnen durch Leben und Tod. (S.63) Darin wird der einsame Sucher gefeiert: der „weltvergessene Eremit, der heilige irische Seefahrer, der Missionsritter, der höfische Liebhaber, der wallfahrende Büsser“. (S.63) 

In diesen Zusammenhang wird auch die aufkommende Pilgerreise nach Santiago de Compostela gestellt. Es gibt auch Jenseitsreisen in Visionen, die eine Pilgerreise nach Santiago ersetzen.

(Aus: C. Zeleski: Nah-Todeserlebnisse und Jenseitsvisionen. Insel Taschenbuch 1995. Zusammengefasst durch Josef Schönauer)

 

Seitenanfang

 

'Der Tod als Freund' von Alfred Rethel - Pilgerschaft und Tod

Im Bild von Alfred Rethel ist der Tod zusammen mit einem Mann erkennbar. In einer Turmstube sitzt ein Mann am Ende seines Lebens in einem Stuhl. Die Pilgerutensielen hat er in die 'Ecke' gestellt. An den Stuhl angelehnt sehen wir den Pilgerhut mit Jakobsmuschel und den Pilgerstab. Die Pilgerreise ist zum Ende gekommen. Pilgerschaft als Symbol des Lebensweges. Der Tod läutet die Glocke. Die Stunde schlägt.
Der Tod trägt als Pilgerutensilien die Jakobsmuschel, die Kalebasse (Trinkgefäss aus einem Kürbis) und eine Pilgertasche. Durch das Fenster ist der Sonnenuntergang zu sehen - oder ist es der Sonnenaufgang?
Ein eindrückliches Bild zum Leben als Pilgerreise. In unserem Leben ist der Tod mit dabei. Die Endlichkeit, die Begrenztheit der Stunden ist immer da - wir würden es manchmal lieber anders haben. 
(Überlegungen von Josef Schönauer).

Seitenanfang
 

ANDERE PILGERZIELE

 

 

Pilgern nach Rom - die Via Francigena

 

Jerusalem, Rom und Santiago waren die drei klassischen christlichen Pilgerorte des abendländischen Christentums im Mittelalter.
Seit ein paar Jahren kommt der Weg nach Rom für FusspilgerInnen wieder langsam ins Bewusstsein. Es gibt erste Berichte darüber.
Ein einfacher Pilgerführer dazu:
La Via Francigena. Guida- Vademecum dal Gran San Bernardo a Roma e raccordo da Arles-F a Vercelli. Hrsg. von der Association via Francigena.
Anschrift:
Association Via Francigena, CH-1941 Vollèges. Mail: info@francigena.ch. Web: www.francigena.ch und www.eurovia.tv/ 

 

Seitenanfang

Pilgern nach Jerusalem

 

Noch erscheinen sie vereinzelt, die Erlebnisberichte einer Fuss-Pilger-Reise nach Jerusalem. Ein Beispiel dafür:

Dionys und Annelies Zink, Weit ist der Weg nach Jerusalem. 2004. 

 

  Seitenanfang
Pilgerweg der Bretagne - Le Tro Breiz  
Ein Pilgerweg in der Bretagne, der auf rund 600 Kilometern die Orte von sieben Heiligen der Bretagne verbindet. Dazu sind Bücher erhältlich und eine Homepage erklärt die Pilgerreise hier.  
  Seitenanfang

Pilgerfahrt nach Les-Saintes-Maries-de-la-Mer

 

Jedes Jahr Ende Mai (um den 25. Mai) versammeln sich die Fahrenden aus ganz Europa in Les-Saintes-Maries-de-la-Mer. Zu den verehrten Marien gehört auch Maria Salome, die Mutter von Jakobus dem Älteren. Ebenso Maria Magdalena und Maria Jakobea.
Die Fahrenden verehren besonders die schwarze Sara.

Link mit Erklärungen

 

Marien in Les-Saintes-Maries-de-la-Mer Schwarze Sara in Les-Saintes-Maries-de-la-Mer
Die Marien Maria Jakobea und Maria Salome  gelangen mit einem führungslosen Boot nach Les-Saintes-Maries-de-la-Mer Die schwarze Sara
wird besonders von den Fahrenden verehrt
Krypta der Kirche in Les-Saintes-Maries-de-la-Mer

Fotos: JS

  Seitenanfang
Pilgern auf den Berg Athos, Griechenland  
Eine Pilgerreise in orthodoxe Klöster, nur für Männer möglich.

 

 
 

Hadsch - Pilgerfahrt nach Mekka

 

Der Islam kennt Mekka als Pilgerort. Eine der fünf religiösen Pflichten der Muslime ist die Pilgerfahrt nach Mekka. Erklärungen dazu finden sich hier. Beiträge mit vielen Multimedia-Links sind auf dieser Seite zusammengestellt. 

  Seitenanfang
Pilgern in Japan  

Pilgern im japanischen Buddhismus

 
Die Wallfahrt zu den 88 heiligen Stätten, den 88 Tempeln, auf der Insel Shikoku, Japan. Diese Rund-Pilgerreise erinnert in Vielem an den Jakobsweg, vor allem die Formalitäten.
Karte zu Shikoku der viertgrössten Insel Japans

Karte des Pilgerweges

Pilgern im japanischen Shintoismus  
Einer der heiligen Berge ist der Fuji-San (hier meist als Fuji-yama bezeichnet). Der 3776 m hohe Vulkan-Berg faszinierte die Menschen schon immer. In verschiedenen Etappen, Höhenstufen, führt der Weg zum Gipfel. Dort betrachten die Pilgerinnen und Pilger den Sonnenaufgang. In einem shintoistischen Schrein hält ein Priester seine Gebete.

Seitenanfang

Pilgerzentrum in Schweden: Pilgrimscentrum Vadstena

In diesem Pilgerzentrum wird das Pilgern gepflegt. Die Homepage des Pilgerzentrums bietet sehr gute Texte zum Pilgern. Aus der Ausschreibung:
"...unser Pilgerzentrum dient als Treffpunkt und Ruheplatz im Alltag. Die schöne Natur ist ganz in der Nähe, und der Klosterpfad lädt zu einer Pilgerwanderung ein. So kommt man auch seinen inneren Landschaften ganz nah und kann viel für die Reinigung der Seele tun."  Link zum Pilgerzentrum

Seitenanfang

 

Pilgern zum Mont-St-Michel in der Normandie, Frankreich

Mont-St-Michel über die Bucht gesehen Die Abtei Mont-St-Michel liegt in einer Bucht zwischen Normandie und Bretagne am Atlantik. Der Hl. Michael wird dort etwa seit dem Jahr 700 verehrt. Die Benediktiner bauten darauf eine Abtei ab dem 10. Jahrhundert.
(Auch in Le Puy steht eine berühmte St.Michaels-Kapelle auf dem Aiguilhe St.Michel).
Seit 2003 lebt auf dem Mont-Saint-Michel eine Gemeinschaft von Jerusalem (wie in Vézelay). Es ist eine bei uns wenig bekannte neue geistliche Gemeinschaft.
Bei Flut wurde der Hügel vom Meer umspült, bis für den Verkehr ein Zugangsdamm gebaut wurde. Dieser soll durch eine Brücke ersetzt werden, die das Wasser wieder durch lässt. Bei Ebbe geht das Wasser weit zurück, sodass es möglich ist, die Bucht zu Fuss zu überqueren. Bei Mont-St-Michel gibt es die grösste Differenz an der Atlantikküste zwischen Ebbe und Flut von bis zu 12 m Höhenunterschied
Zum Überqueren der Bucht wird ein Führer gebraucht, der die Gezeiten, die Untiefen, die Schlammlöcher und Flüsse in der Bucht kennt.
Die 'Miquelots', wie die Pilgerinnen und Pilger zum Mont-St-Michel genannt werden, legen weite Wege zum Mont-St-Michel zurück. Zugleich ist der Abtei-Hügel Ausgangspunkt und Etappenort zum Jakobsweg nach Santiago über die Bretagne.
 

Links:

Mont-St-Michel in der Normandie, Frankreich

Bilder der Buchtüberquerung ab Genêts zum Mont-St-Michel
am 1. Oktober 2009 mit dem Leiter Nicolas
Mont-St-Michel
im Dunst
Die Gezeiten legen
den Startpunkt fest
Alle gehen barfuss Nicolas sucht
den Weg durch
einen Fluss in der Bucht
Der Mont-St-Michel rückt näher nach fast zwei Stunden Marsch Ansicht des Abtei-Berges von hinten Der Rückweg geschieht in der gleichen Ebbe - hier schon wieder Flut
Auch hier passt der Text von Machado - siehe oben
 
   
Wegzeichen am Pilgerweg zum Mont-St-Michel Gewölbe in der Abtei Kreuzgang auf Mont-St-Michel Glasfenster in der Magdalena-Kapelle
Wegzeichen für den Pilgerweg zurm Mont-St-Michel diverse Gewölbe sind übereinander angeordnet ein Kreuzgang in luftiger Höhe die Jakobsmuschel und der Krug der hl. Magdalena in der Magdalena-Kapelle

 

       
       

Fotos: js

Zusammenstellung verschiedener Pilgerwege und Wallfahrtsorte (französisch): Les routes des pèlerins

 

 

 

Home
Home
  Pilgerreisen
Pilgerreisen
Seitenanfang